Früheres Ich

Früheres Ich,

plötzlich sehe ich Dich.

Aber kenne ich Dich?

Und Du?

Kanntest Du mich schon?

Hast Du mich vorausgedacht?

Damals schon alles so gemacht –

wie ich es heute tu?

 

Warum wusste ich nichts

über Dich,

Du flüchtiges Ich?

Wie kam es dazu?

Ich bin erstaunt zu sehen,

wie wir dieselben Wege gehen.

Entfaltete ich mich, überhaupt,

oder bin ich ganz wie Du?

 

Frühere Ichs,

ich glaub, ich kenn Euch wirklich nicht.

Ein flüchtiges Ich ans andere,

so reiht Ihr mich.

Und ich weiß nicht,

was da geschah

und ob ich überhaupt daran beteiligt war.

 

Jetziges Ich,

sehe ich Dich?

Und Du? Siehst Du mich?

Und auf welchem Weg bist Du?

Bist Du wie ich?

Und bin ich schon im Nu

ein früheres Ich,

ein flüchtiges Ich?

So wie Du?

 

An der Ostsee

Golden,

der Bernstein,

erstarrtes, vergangenes Leben.

Am Strand liegt seine Spur.

 

Kopfüber

und hinauf

den borkigen Eichenstamm

so macht es der

Kleiber.

 

Rauchig

zieht Nebel

den Berg herauf.

Bäume und Häuser werden zu

Schatten.

 

Qualm

steigt auf

aus dem Schornstein,

als füttere er den

Nebel.

 

Leicht

liegst Du,

verharztes, erstarrtes Leben,

in der ewig suchenden

Hand.

Aufbruch

Komm,

zieh Deine buntesten Kleider an,

Du musst auf die Safari gehen,

auch wenn Du Angst hast

vor den wilden Tieren.

Gerade dann.

 

Die Magie des Tagebuchs: Tagebuchschreiben für Frauen

„Ich reise nie ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.“ (Oscar Wilde)

Aber kann man Tagebuchschreiben auch lernen? Ja! Zumindest können wir mit einigen nützlichen Techniken und Methoden unseren eigenen Stil finden, den Schreibfluss anregen und zu einer fruchtbaren Kommunikation mit uns selbst gelangen: Aus dem Tagebuch – egal, ob Lebens-, Reise-, Krisen- oder Projekttagebuch kann dann eine erkenntnisreiche, spaßbringende und lesenswerte Geschichte werden.

Bitte mitbringen: Din-A4-Kladde und Schreibwerkzeug

Workshop

Kursleiterin: Dr. Carola Prigge

Kurs R19114ZZ an der Volkshochschule Leipzig, Löhrstraße 3-7, Leipzig,

Entgelt: 39 Euro, Termine: 26. 2., 26. 3., 23. 4., 14. 5. und 11. 6. 2018

Herbstgedanken

 

Man sagt, der Herbst kann gute Seiten haben,
besonders, weil das Laub der Bäume sich verfärbt,
sie stehen dort in tausend schönen Farben,
zitronengelb, blutrot und sonnenbraun gegerbt,
wenn Nebelschwaden sie umhülln am Morgen,
und Krähen für die schroffen Töne sorgen
mit einem schrillen Widerhall.

Doch folgen diesem Zwang nicht alle Bäume,
Manch einer sticht heraus aus der gegerbten Schar
Und klammert sich an seine Sommerträume
Als allen noch so wohl und wonnig war.
So trotzen auch Akazien und Weiden,
indem sie weiter grüne Blätter treiben
dem farbenprächtigen Verfall.

Und ich, ich kann mich wieder nicht entscheiden,
ob das Geschehn da draußen mir gefällt.
Künden doch der Ahorn wie die Weiden
Dass bald schon alles hier zerfällt.
So bin ich zwischen Bunt und Grün zerrissen.
Den Sommer werde ich vermissen
Von nun an, hier und überall.

 

Frühlingsstimmung, kühl

Die Hornveilchen

im kalten Sonnenschein draußen,

wie sie duften.

 

Die Baumkronen im Wald

sind immer noch blätterlos,

klappern im Wind.

 

Die alte Eiche

wacht über den blauen Teppich

aus Glockenblumen.

 

Amseln und Elstern

verstreuen ihr Nistzeug

auf den Wegen.

 

Im Unterholz bohren

sich endlich Bärlauchhalme

durchs alte Laub.

Workshop: Die Magie des Tagebuchs – Tagebuchschreiben für Frauen

„. . . schon irgendetwas aufzuschreiben, ist eine Hilfe, die unseren Weg erleichtert.“ Katherine Mansfield

 

Dieser Workshop bietet lockere Übungen und Tipps, um aus dem Tagebuch eine spannende, (selbst)erkenntsnisreiche Geschichte  zu machen und eine Quelle der Inspiration und Kreativität . . .

Kurs O 19 106 Z an der Volkshochschule Leipzig

Termine: 17. 10., 14. 11., 12. 12. 2016 sowie 9. 1., 6. 2. 2017, Mo., 19 – 21 Uhr

Leipzig-Impression aus dem August

Mit dem Besuch aus Japan auf dem Völkerschlachtdenkmal. Die Aussicht an diesem Sonntag ist grandios. Rathaus, Thomaskirche, das ehemalige Reichsgericht, alles klar zu sehen, sogar der Flughafen in der Ferne, und auch das Kraftwerk in Böhlen . . . Ein deutsches Krematorium kann so schön sein wie ein Märchenschloss, die Deutschen sind sehr zivilisiert. Man entdeckt dort unten einen kleinen Rummel. Es tagt die Gilde der Marktschreier. Nach den wunderbaren Aussichten nun der Blick auf die geballte Schrecklichkeit von Billigprodukten in Plaste und Neon. Es leuchtet, blinkt und stinkt. Man flieht mit dem Softeis hinter einen Stand mit Kleidern, deren Muster an Gardinen aus den 70er Jahren erinnern, mit dem Potential, einen im Traum zu verfolgen. „Da brauche ich bestimmt Größe L,“ hören wir eine Frau sagen, deren nicht gerade zarte Rückseite uns eher auf XXL tippen lässt. „Das muss ich aber erst anprobieren.“ „Oh, nein!“, rufen wir. Sie kommt hinter den Stand und öffnet den Reißverschluss ihrer Hose, direkt vor unseren Augen. Es gibt kein Entrinnen, auch wenn wir zurück auf den Markt stürmen, weiterhin „Nein, nein, nein!“ rufend. Sie ist zu schnell für uns. „Sie hatte eine blaue Unterhose an,“ bemerkt der japanische Besuch mit großen Augen. So viel zu den zivilisierten Deutschen.